„Wir machen dieses Jahr definitiv was zum Giving Tuesday.“
Das ist kein ungewöhnlicher Satz.
Weihnachten kommt jedes Jahr ungefähr zur selben Zeit. Der Giving Tuesday auch. Ostern steht lange vorher im Kalender. Sommerferien, Jahresberichte, Spendenbescheinigungen und die erstaunliche Tatsache, dass im Dezember sehr viele Organisationen gleichzeitig um Aufmerksamkeit bitten, gehören ebenfalls nicht zu den großen Unbekannten unserer Zeit.
Und trotzdem beginnt Fundraising erstaunlich oft mit einem Blick auf den Kalender und dem Gedanken: Das müssten wir jetzt eigentlich noch machen.
Fundraising hat einen Kalender
Fundraising besteht nicht nur aus den Wochen vor Weihnachten. Über das Jahr verteilt gibt es viele kleine Zeitfenster, in denen Menschen erreichbar sind, Themen Aufmerksamkeit bekommen oder eine Organisation etwas vorbereiten kann.
Nicht jeder Anlass passt zu jeder Organisation. Nur weil ein internationaler Aktionstag im Kalender steht, entsteht daraus noch kein Grund für eine Spendenkampagne.
Manchmal ist es sogar besser, einen solchen Tag einfach vorbeiziehen zu lassen.
Interessant wird der Kalender an einer anderen Stelle: Er zeigt uns, was vorhersehbar ist.
Wenn ein Weihnachtsbrief Mitte November verschickt werden soll, beginnt seine Geschichte nicht Mitte November. Wenn Unternehmen für eine Aktion gewonnen werden sollen, braucht es Gespräche vorher. Wenn Menschen am Jahresende um Unterstützung gebeten werden, sollte die Beziehung zu ihnen möglichst nicht erst mit dieser Bitte beginnen.
Das Problem ist selten der fehlende Anlass
In Organisationen wird häufig gefragt:
Was könnten wir noch machen?
Mich interessiert inzwischen oft eine andere Frage:
Wann müssten wir anfangen?
Planung macht Fundraising nicht automatisch erfolgreich. Ein Kalender schafft keine Beziehung. Ein Aktionstag erzeugt keine Bedeutung. Und ein perfekt vorbereiteter Spendenbrief ist noch kein Grund zu spenden.
Aber etwas früher hinzusehen verhindert zumindest, dass jedes Jahr wieder bei null beginnt.
Das kann erstaunlich unspektakulär sein.
Im Januar danken.
Im Frühjahr überlegen, welche Gespräche mit Unternehmen sinnvoll wären.
Vor den Sommerferien klären, was im Herbst passieren soll.
Im September wissen, was zu Weihnachten verschickt wird.
Und im Dezember nicht überrascht feststellen, dass Dezember ist.
Nicht zwölf Kampagnen
Ein Jahreskalender ist deshalb keine Einladung, jeden Monat eine neue Aktion zu erfinden.
Im Gegenteil.
Vielleicht reicht es, einmal im Jahr auf die kommenden zwölf Monate zu schauen und drei oder vier Momente zu markieren, die für die eigene Organisation wirklich Bedeutung haben.
Daneben schreibt man, wann die Vorbereitung beginnen müsste.
Mehr braucht es manchmal nicht.
Aus dieser Beobachtung ist ein kleiner Fundraising-Kalender entstanden.
Er enthält einige wiederkehrende Termine, monatliche Planungshinweise und Gedanken dazu, wann es sich lohnt, etwas früher hinzusehen.
Nicht als Kampagnenplan.
Eher als etwas, auf das man zwischendurch schauen kann.
FUNDRAISING
Ein Jahr zum Draufschauen.
Wiederkehrende Termine, Planungshinweise und einige Gedanken für das Jahr – Monat für Monat.